EINLEITUNG ZUR SOZIONIK

Von Igor Weisband

"Geben Sie mir bitte sechs  Glückwunschkarten mit der Aufschrift "Für Meine Einzige". Das ist natürlich ein Witz. Aber mal im Ernst? Wie viele Fotos mit dieser Aufschrift hätten Sie abgegeben? Gibt es Gesetze, die bestimmen können, ob  zwei Menschen wirklich einander brauchen? Und das andere einander quälen und plagen werden, bis sie sich schließlich scheiden lassen. (Anmerkung: in großen Städten geht jede zweite Ehe auseinander.) Der Verfasser war darüber genauso wie sie erstaunt, aber es hat sich erwiesen, dass es solche Gesetze gibt. Sie ermöglichen es für beliebige zwei, selbst auch unbekannte Menschen, das Model ihrer zukünftigen Verhältnisse vorauszusagen (vorwegnehmend gibt es 16 solche Modelle). Wenn ihnen der Gedanke einer Scharlatanerie aufgeblitzt haben sollte, so heißt das, dass sie ein vernünftiger Mensch sind, und Ihre Meinung wird für uns besonders wertvoll sein. Um diese Meinung begründen zu können, brauchen sie dieses Büchlein. Betrachten sie es als Regel für ein lustiges geistiges Spiel. Im allgemeinen ist die Sozionik:

eine Wissenschaft, eine Kunst, eine Technologie oder auch ein Spiel, die in dem Können bestehen, den Persönlichkeitstyp eines Menschen zu ermitteln, mit ihm das Zusammenwirken und den Umgang aufzubauen, ihm zu helfen, sich selbst besser zu verstehen, sowie seine Familien- und Produktionsverhältnisse und seine Freizeit optimal zu gestalten.

Jede Wissenschaft fängt mit der Klassifizierung an. Aushra Augustinaviciute, die Schöpferin der Sozionik, fand die Klassifizierung der Menschen, die unmittelbar mit Informationsaustauschprozessen, in der Gesellschaft zusammenhängt. Wir haben keine logische Darstellung ihrer Theorie vor uns, sondern eine praktische Anleitung für einen l praktizierenden Amateur im Bereich der Sozionik. Es ist viel mehr ein Kochbuch als ein Lehrbuch für Biochemie. Es soll nicht gelesen, sondern praktisch angewandt werden. Die Arbeit ist in Form eines Nachschlagebuches geschrieben, es lässt sich in beliebiger Reihenfolge lesen.

Die vorliegende Ausgabe ist für die Leser gedacht, die nur vom Hörensagen von der Sozionik wissen, und den Wunsch haben, sie sich anzueignen oder wenigstens zu spielen. Denn es gibt auf der Welt nichts ernsteres als ein Spiel. Durch das Spiel werden in unserem Leben die grundlegenden Sachen wirklich aktuell.

Die Ausgabe ist hauptsächlich auf der Grundlage der Arbeiten von I. D. Weisband entstanden. Dort, wo die Materialien anderer Verfasser gebraucht wurden, werden sie gesondert erwähnt.

Anschrift der Redaktion: 252006, Kiew, Ukraine, Predslawinskaja Str.29-14.

 

 

1. Sozionische Hauptskalen.

Noch ein Witz: "Die Frauen irren sich, wenn sie meinen, dass alle Männer gleich sind. Und die Männer irren sich, wenn sie meinen, dass alle Frauen verschieden sind". Der Umstand, dass Menschen unterschiedlich sein können, macht sich Für viele bemerkbar. Manche verstehen, das die Menschen das Recht haben, unterschiedlich zu sein. Die Wahrheit liegt allerdings darin, dass alle Menschen unterschiedlich sein müssen.

Man hat beispielsweise schon bemerkt, dass die Menschen in "Logiker" und "Ethiker"  eingeteilt werden können. Die Ethiker interessieren sich weniger für Technik, Gesetze, Mathematik und übrige objektive Sachen. Dafür kennen sie sich  ausgezeichnet in Stimmungen, Gefühlen, Erlebnissen der Menschen aus. Der Ethiker lässt sich nur von der Sympathie und Antipathie leiten, die ihm dieser oder jener Mensch einflößt. Das alte Problem, ob ein Mann eine Frau in Wirklichkeit erwählt oder ob es ihm nur scheint, während eine Frau ihn tatsächlich erwählt,  hat folgende Lösung: die Wahl trifft stets der Ethiker, unabhängig vom Geschlecht. Nur er versteht wirklich, was Liebe ist, und dem Logiker bleibt nichts anderes übrig, als seine Auslegung dankbar entgegenzunehmen. Der Ethiker ist von Natur aus Abschätzer. Er behauptet ohne weiteres: "Das ist ein Schuft", "Ich liebe", "Ich hasse". Der Logiker zieht es jedoch wie ein waschechter, britischer Gentleman vor, sich auf die Konstituierung der Fakten zu beschränken. Und wenn er schon anfängt zu schiechen, so mach er das äußerst ungeschickt, und zwar deshalb, weil er dabei nicht mit seinen stärksten psychischen Funktionen zu tun hat (im weiteren Wedeln wir noch erläutern, was das bedeutet). Für den Logiker ist es wohl besser, auf der Grundlage der Logik zu verbleiben.

Und noch ein wichtiger Punkt, der darin besteht, dass die Skalen in der Sozionik keinen Charakter eines unterbrochenen Kontinuums haben. Sie sind unstetig und weisen lediglich zwei Werte bzw. Pole auf. Sie können entweder Logiker oder Ethiker sein. Genauer gesagt, ist im Kampf zwischen dem Verstand und den Gefühlen (wie es in einem Aphorismus eines Denkers heißt: "Nichts stört den echten Verstand so wie Emotionen, und nichts stört das echte Gefühl so wie der Verstand") früher oder später, d.h. im Alter von   etwa fünf Jahren, entweder das Eine oder das Andere der Sieger. Es kommen Logiker mit einer sehr starken emotionalen Spare vor, doch sie spielt dabei stets eine untergeordnete Rolle, d.h. die Gefühle treten als Diener des Verstandes auf. Und umgekehrt gibt es Ethiker mit einem starken Verstand, der den Gefühlen untergeordnet ist.

Jedenfalls handelt es sich hier um zwei unterschiedliche, einander nicht ähnliche Mechanismen der Informationsverarbeitung, der Widerspiegelung der Unweit. C. G. Jung nannte sie psychische Funktionen. Die Worte "die Gleichung hat keine Lösung" und "ich liebe dich" sind an verschiedene Strukturen des Gehirns gerichtet.

Die andere sozionische Skala, d.h. die Extra Version - Intraversion ist ihrem Wesen nach anders ausgestaltet. Jede von diesen Funktionen kann in der extrovertierten bzw. introvertierten Einstellung liegen. Die Extraverten (d.h. die Menschen, bei denen die extrovertierte Funktion dominiert) sind offener, gesprächiger, aktiver, sie  können leicht den Umgang wechseln. Die Introverten sind ruhig, bescheiden, haben die Neigung, die bestehenden Beziehungen zu erhalten zum Beispiel, wenn eine Frau singt.

    "Ich stürze mich in die Liebe wie ins  Meer..."

so ist sie allem Anschein nach ein Ethiker und Extravert. Ihr Auserwählter dagegen, der:

"So kalt wie ein Eisberg im Ozean ist "

und "dessen Kummer  unter dem dunklen Wasser liegen",

ist offensichtlich ein Logiker und Introvert.

Ist diese Gegenüberstellung eigentlich zufällig? Nein. Hier tritt das Prinzip der Qualität in Kraft, d.h. das Prinzip der gegenseitigen Ergänzung der Partner. Ein Ethiker braucht einen Logiker. Wenn zu viele Ethiker zusammenkommen, so nimmt das Element der Verständnislosigkeit zu. Es ist äußerst interessant, diesen Umstand  innerhalb von Leitungs-Teams zu beobachten. Wenn dort stets irgendwelche emotionalen Stürme herumtoben, d.h. wenn jemand jemanden l liebt, jemand jemanden hasst, wenn es zu irgendwelchen Auseinandersetzungen kommt, so liegt dort die Arbeit im Zustand einer vollkommenen Verworrenheit und es wird klar, dass das Kollektiv größtenteils ethisch ist.

 

Der Logiker braucht den Ethiker allerdings auch:

    "Dein trockener und zurückhaltender Stil
    Wird jubelnd von den Freunden gelobt.
    Man braucht ja einen Zaum, um Pferde kutschieren zu können,
    Doch wo ist denn dein. Pferd?",

steht es bei einem Dichter.

In den logischen Kollektiven herrscht Langweile. Dort gibt es niemanden, der sich in den menschlichen Beziehungen auskennt. Es gäbe niemanden, der sagen könnte, dass diese Tat, dieser Mensch nützlich, aber niederträchtig sei. Es gäbe  keinen, der es versteht, Stimmung bzw. Tonus für die Arbeit zu schaffen.

Das gleiche gilt für die Extraversion und Introversion. Die Atmosphäre, die dort entsteht, wo sich zu viele Extraverten versammeln, bemerkt man dort, wo die Leute massenweise hinfahren, um Geld zu verdienen, denn einem Extraverten fällt es leichter, irgendwohin loszustürzen. Diese Orte überraschen durch einen "Bahnhofs"-Geist, durch einen Geist des Nichtige borgenseins und der Unordnung. Die Menschen kommen nicht um ihr Leben zu gestalten, sondern um Geld zu verdienen und den Ort dann für immer zu verlassen. Die Statistiken der Ehescheidungen sind ebenfalls charakteristisch. Insgesamt entfallen im Land auf 100 Eheschließungen 30 Ehescheidungen. In Großstädten macht dieses Verhältnis 50 zu 50 aus. In der Stadt Togliatti (Lada-Automobilwerke) entfallen allerdings auf 100 Eheschließungen 105 Ehescheidungen. Wie ist das möglich? Die Menschen kommen mit ihren Familien und dann lassen sie sich scheiden. Der Extravert ist auf Objekte und der Introvert auf die Beziehungen zwischen ihnen gerichtet. Das Objekt - das bin ich, das bist du. Wenn der Extpavert klüger, stärker geworden ist, so fallt es ihm nicht ein, dies um der Erhaltung der Beziehungen willen zu verbergen bzw. zu verschleiern. "Wenn ich dir nicht gefalle, wie ich bin oder werden möchte, breche ich alle Beziehungen zu dir ab. Es ist alles sehr einfach.

Ein Introvert schätzt vor allem Beziehungen. Er ist geneigt, den Partner umzuerziehen, sich selbst anzupassen. Die Beziehungen allen allerdings erhalten bleiben, das ist seine Konstante. Wenn zu viele Introverten zusammenkommen, tritt Stagnation ein, denn keiner will als ein Gernegroß bzw. als ein. Emporkömmling erscheinen, der es versucht, das bestehende Verhältnissystem zu zerstören. Übrigens wurde unser Land 60 Jahren lang von den Introvorten regiert. Das hat sich auf die Eigenart unserer Gesetzgebung über die Auslandsreisen ausgewirkt. Eine Familie aus zwei Introverten verbringt viel Zeit zu Hause. Sie haben es gern, mit Menschen zu verkehren, doch brauchen Sie jemanden, der sie aus dem Hause holt. .Ein typisch introvertiertes System besteht in Japan. Es sind Ihnen sicherlich die Bezeichnungen "Mitsui", "Mitsubishi", "Sony" bekannt.  Das sind die Bezeichnungen von Unternehmen. Oder kennen Sie viele Namen von berühmten Japanern? Ich zum Beispiel kenne keinen davon. Und das ist kein Zufall. Die bescheidenen Japaner brennen auf keine Reklame, indem sie ihren ganzen Geist der eigenen Firma opfern. So ist die nationale Mentalität, und in Japan hätte sich sonst kein anderes System einleben können, das Rechnung dieser Eigenart nicht getragen hätte. Es ist interessant, dass einige Verfasser das System der lebenslangen Einstellung beinahe als einen wirtschaftlichen Sabotageakt der Amerikaner betrachten, die diesen "überkommenen" Mechanismus nach dem Kriege einführten, um für ewig mit dem potentiellen Konkurrenten Schluss zu machen. Und nun ist dieses System die Grundlage der japanischen Wirtschaftsmacht.                                                          

Und nun betrachten wir noch zwei psychische Funktionen und die damit zusammenhängende Skala, d.h. die "Sensorik"- die "Intuition". Erinnern wir. uns   wieder an ein altes Lieds :
    Der streitsuchende Wind schaukeln die Laternen über dem Kopf,
    Ein lustiger Junge schreitet auf dem herbstlichen Straßenweg,
    Er blättert im Gehen ein Lehrbuch für Physik
    Und weiß nicht, das ich ihm jeden Morgen unauffällig folge...

Der Junge ist offensichtlich ein intuitiver Logiker. Er ist in seinen Formeln vertieft, bemerkt weder Laternen noch Blätter, die von dem Wind durch die Straße gejagt werden, noch das Mädchen, das so hingebungsvoll hinter ihm geht. Das Mädchen dagegen bemerkt alles (denn sie singt von einer Vielfalt von ähnlichen netten Kleinigkeiten, die die Schönheit eines windigen Herbstmorgens ausmachen). Man kann annehmen, dass der Junge zerstreut ist und sich aus der Ernährung und dem Äußeren nichts ausmacht. Er kann sogar seine Interessen nicht auf eine richtige Weise verteidigen. Ihn kann jeder betrügen, während dies mit unserer Freundin nicht möglich wäre. Sie lässt sich (eventuell auch ihn) nicht beleidigen. Sie weiß sehr gut, dass "es keine Glücksformel in den Lehrbüchern gibt". Um das Glück muss man kämpfen. Das Eisen wird solange geschmiedet, bis es heiß ist. Der Sensoriker lebt dagegen nach dem Grundsatz "hier und jetzt'* • Bei der Entstehung selbst einer Andeutung für einen Streitfall ist er bestrebt, sich sofort damit auseinander zu setzen und seine Interessen zu verteidigen. Natürlich so, wie sie von ihm aufgefasst werden. Der Intuitive verliert in dieser Situation gleichsam den Kopf und zieht es vor, zurückzutreten, die Frage hinauszuschieben, und meint dabei, dass die Entwicklung der Situation mit der Zeit das Problem lösen wird. Die Tendenzen spürt er besser auf. Ein typisches Beispiel für einen Kampf zwischen einem Sensoriker und einem Intuitiven stellt der Krieg von 1812 dar. Napoleon Bounaparte war ein starker Sensoriker und strebte stets danach, die Initiative zu ergreifen, mit einer Serie von kurzen und schnellen Vorstößen den Feind zu zerschlagen und niederzuwerfen. Er halte einfache und sichere Grundsätze: im entscheidenden Augenblick, am entscheidenden Ort die scheidende Übermacht haben. Das reichte für den Sieg aus. Bis er dem schläfrig-langsamen Kutusow begegnete. Der Stil der Kampfhandlungen ist bei Kutusow typisch intuitiv. Die entscheidende Auseinandersetzungen ausweichen, denn der Feind ist hier stärker. Sich zurückziehen, indem man berücksichtigt, dass sich die Verkehrswege des Feindes ausdehnen werden, die Armee sich infolge der Bewachungsnotwendigkeit aufzehren wird, die Truppen wegen der Erkrankungen,  vor Hunger und Kälte sterben werden. Weiß man das im voraus,  kann man sich auch in der Sitzung des Kriegsrates ausschlafen. Da können die jungen Kornette hitzig werden und sich in den Kampf ziehen lassen. 

Es wäre freilich besser für den Intuitiven, sich mit dem Sensoriker nicht auseinander zu setzen und nicht zu kämpfen, sondern "gute Freunde" zu sein. Er kann ihn nicht nur ernähren, sondern auch auf eine unerwartete Möglichkeit oder auf eine Gefahr besser reagieren. Und der Intuitive sagt ihm eine perspektivreiche Sache voraus, wernt künftigen Unannehmlichkeiten und vermittelt ihm einen guten Gedanken. Hier wird erneut das Dualitätsprinzip wirksam. Wenn es in einem Kollektiv zu viele Sensoriker gibt, herrscht eine gespannte Atmosphäre vor. Es findet sich hier keiner, der die Gegensätze dämpfen bzw. ausgleichen könnte. Alle beobachten beunruhigt den Happen, den der Nachbar zum Munde führt, ob das nicht meiner ist.

Eine Organisation, (in der die Intuitiven dominierend sind, z.B. ein Forschungszentrum mit niedrigen Löhnen und Gehältern (die Sensoriker sich nicht anstellen lassen würden), kann man sofort, selbst per Telefon erkennen. Mit einer lockeren, trägen, lässigen und hilflosen Stimme antwortet man Ihnen "Hallo... Hallo,..". Die Intuition, getrieben ad absurdum, ist Wassissualij Lochankin , der sich die Schicksale der russischen Intelligenz überlegt und dabei vergisst, das Licht auf der Toilette auszuschalten. Die Sensoriker sind Pljuschkin, Sobakjewitsch, Winnie Puuh und Karlsson. Intuitiv sind Don Quichotte, der in einer selbsterdachten Welt lebt, Pierro aus dem "Goldenen Schlüssel" von A. Tolstoj, Raskolnikow aus dem Roman von F. Dostojewski "Schuld und Sühne.

Nun bleibt uns nichts anderes übrig, als die letzte, vierte Hauptskala einzuführen und zwar die "Rationalität" und die "Irrationalität". Manchmal kommen die Begriffe die "Schizophrenie" und die  "Zyklothymie" zur Anwendung, doch sie erinnern zu stark an Krankenhaus. Diese Achse wurde einmal von E. Kretschmer eingeführt, der als erster bemerkte den Unterschied unter den Menschen mit etwas eckigen, fixierten Bewegungen (der Schizophrenie) von den Menschen , die sich sanft, rundlich, wie eine Katze bewegen (die Zyklothymie). Für die Irrationalen ist eine gewisse Voraussichtslosigkeit bzw. Unberechenbarkeit der Handlungen kennzeichnend. Sie neigen zur Improvisation, handeln unter Einwirkung des momentanen Zustandes, der Situation, der Empfindung. Die sanften Handbewegungen eines Irrationellen sind darauf zurückzuführen, das er eigentlich nicht weis, wo diese Hand ankommen soll, und muss in jedem Augenblick die Bewegung mit seiner Empfindung vergleichen, um sich zu vergewissern, dass die Hand bereits eine bequeme Lage erreicht hat. Demgegenüber weiß der Rationelle sofort, wohin er seine zu bewegen hat. Und wenn es sich erweist, dass der vorgegebene Punkt aus Versehen etwas unter der Oberfläche eines Tisches liegt, so wird die Hand auf diese Oberfläche merklich klatschen. Genauso nimmt sich der Rationelle eine Handlung erst mit dem Ziel vor, sie unbedingt zu vollenden. Diese Handlung wird im Nachlauf sogar etwas länger dauern, bis die sich geänderte Situation diese Handlung sinnlos gemacht hat.

E. Kretschmer wies auf die Lebensfreude Inkonsequenz und sogar auf die Prinzipienlosigkeit der Irrationalen hin. Er führte als Beispiel Mirabeau, d.h. einen Menschen an, der je nach der Windrichtung sein Fähnchen drehte. Demgegenüber sind die düsteren und unerschütterlichen Fanatiker meist Rationelle,  zum Beispiel Martin Luther, ein konsequenter und unnachgiebiger Kämpfer für eine Idee. Oder Heinrich Schliemann, der bereits in seiner Kindheit Troja ausgraben wollte.

Ein Irrationaler hat immer entweder  eine Idee oder eine Absicht, jedoch durchaus nicht immer einen konkreten Plan bzw.* ein Verfahren zur Verfügung, um  seine Ziele zu erreichen. Bei einem Rationellen gibt es demgegenüber immer einen bestimmten Plan. Selbst dann, wenn er auf Grund einer langjährigen Gewohnheit erfüllt wird. "Nachdem wir   endgültig das Ziel aus der Sicht verloren haben, haben wir unsere Anstrengungen verdoppelt" (Mark Twain).

Die negativen Folgen der Übertreibung in jeder von diesen Eigenschaften sind offensichtlich. Das Dualitätsprinzip hat hier so unmittelbar keine Wirkung. Das Dual, d.h. das optimale Paar der Menschen weist nach dieser Skala die gleichen Werte auf. Die Ausgewogenheit kommt in größeren Kollektiven zustande.

real sieht es so aus, dass hinter der Skala Rationalität - Irrationalität das Vorherrechen der Logik bzw. Ethik im ersten Fall (Rationalität) und der Sensorik bzw. Intuition im zweiten Fall (Irrationalität) steht.                                                                  Durch das vierfache Halbieren der Menschheit ergeben sich 16 Menschentypen.

 

2. TESTS                                                                                                                                                                           Das Studium der Sozionik wird wesentlich interessanter, nachdem der Studierende wenigstens annähernd seinen eigenen Typ und die Typen seiner Verwandten ermittelt hat. Das ist nicht immer einfach, denn es ist bis jetzt nicht gelungen, objektive Methodiken zusammenzustellen. Deshalb ist es wohl besser, wenn Sie anfangs all das als ein lustiges geistiges Spiel betrachten. Hier sind die Regeln für dieses Spiel:

- Es gibt keine guten und keine schlechten Typen der Persönlichkeit. Um sich dessen zu vergewissern, schlagen Sie in der typologischen Liste berühmter Menschen nach. Hier führen wir einen Auszug aus dem Werk eines alten unbekannten Autors an: "Jeder Mensch hat ein Herz. Und jedes Herz hat seine eigene Neigungen. Das, was für mich gut sein kann, kann ein anderer Mensch für schlecht halten. Wer von uns ein Narr ist und wer ist ein Weiser? Wir beide sind nur gewöhnliche Menschen..." 

- Erlauben Sie den Versuchspersonen nicht, bei der Beantwortung der Test-Fragen zu philosophieren; "sowohl... als auch", "weder... noch", "bald so... bald so". Mancher hat es gern, geheimnisvoller Superman zu sein, der sich nicht auf eine gewöhnliche Weise klassifizieren lässt. Erläutern Sie diesem Menschen, dass solch eine Verschwommenheit genauso fehl am Platze ist, wie bei der Beantwortung der Frage: "Sind Sie ein Mann oder eine Frau?"  Falsche oder unklare Antworten können zur Unmöglichkeit führen, Ihren Typ festzustellen. 

- Es gibt gute und schlechte intertypische Verhältnisse. Die Unfähigkeit, diese Tatsache anzuerkennen, hat den Menschen viel Kummer und Verdruss gebracht. Ein Hund trägt keine Schuld dafür, dass er ein Hund ist. Eine Katze ist nicht schuld daran, dass sie eine Katze ist. Sie sollt nur nicht  in einen Kasten gelassen werden. Der Dompteur kann in der Katze ihre Natur  unterdrücken, doch wird sie danach noch Mause fangen können? Die Höflichkeit und die hohe Kultur können sehr zustatten kommen. Doch je enger die Zusammenarbeit ist, je stärker die Partner voneinander abhängen, desto geringer ist der Nutzen der Höflichkeit. Es gibt keine Schuldigen, es gibt nur noch Opfer. In der Familie sind das Kinder. In der Produktion sind das Erzeugnisse. Der Verfasser kennt eine Organisation, deren Hauptleiter untereinander in einem (intertypischen) Konfliktverhältnis stehen. Alle wissen, dass sie sich schlecht vertragen. Die Ausdrücke "alle wissen" und "es ist offiziell festgestellt worden" haben allerdings bei uns leider einen ganz unterschiedlichen Sinn. Der Persönlichkeitstyp ist jedoch eine objektive Charakteristik, die in den Verhalten, Äußeren, in der Gangart, in der Stimme zutage tritt. Sie ist nicht weniger objektiv, als das "Geburtsdatum" oder "Regierungsauszeichnungen".

Blitz- Test

1) Verdecken sie mit einen Blatt Papier die Spalten des Tests (Tabelle l) außer der linken Spalte.

2) Lesen Sie aufmerksam den Text in der oberen und unteren Hälfte der Spalte und versuchen Sie den allgemeinen Geist, den Sinn, die  Atmosphäre jeder Texthälfte zu begreifen. Entscheiden Sie, welche Texthälfte mehr Ihrer Mentalität entspricht.

3) Gegenüber der von Ihnen gewählten Spaltenhälfte finden Sie eine neue Gabelung. Die Wahl muss wiederholt werden, bis Sie das Ende erreicht haben. Nach der dreibuchstabigen Bezeichnung des Typs in der rechten Spalte (s. Tabelle 2) finden Sie die volle Typenbezeichnung.

Bevor Sie die Charakter des Typs lesen, lohnt es sich einzuschätzen, inwieweit Sie ihn richtig gewählt haben. Zu diesem Zweck  zeichnen Sie eine kleine Tabelle aus 3 Zeilen zu je 5 Würfeln. In die Würfel schreiben Sie die Antworten auf folgende Fragen ein und zwar die ersten fünf - in die erste Zeile, 6 - bis 10 - in die zweite und 11 bis 15 - in die dritte Zeile. Die Antworten stellen die Nummer der von Ihnen gewählten Variante dar, d.h. "1" oder ''2". Die Wahl soll unbedingt getroffen werden, wenn auch die Varianten vorerst für gleichwertig erscheinen sollten.

 

 

1. Wie sieht es in Wirklichkeit aus: l) viele Freunde, 2) ein bis zwei echte Freunde.

2.1) Sie sind ein ausreichend disziplinierter und aufmerksamer Mensch, 2) Es kommt manchmal vor, dass Sie nachdenklich werden und nichts hören (sehen), was ringsum passiert.

3. Was ist wichtiger, damit eine Firma gut funktioniert: l) eine straffe Arbeitsorganisation, Kenntnisse und Erfahrungen der Mitarbeiter, 2) gute Beziehungen, gute Stimmung der Kollegen.

4.Es ist für Sie angenehmer: 1) die Ereignisse Ihres Lebens im voraus zu planen, 2) sich entbunden von den Verpflichtungen zu fühlen und das zu machen, was der Zufall anbietet.

5.Nachdem Sie eine neue Sache gekauft haben:  l) schalten Sie da Gerät sofort ein und wenn es nicht funktioniert - (erst) dann greifen Sie die Betriebsanleitung, 2) lesen Sie zuerst die Betriebsanleitung und erst dann schalten Sie das Gerät ein.

6. Ein Freund hat Sie in eine Gesellschaft eingeladen, in der Sie keinen Menschen kennen:  l) Sie können sich sofort der Unterhaltung anschließen. 2) Sie hören eine bestimmte Zeit zu und beobachten die Menschen.

7.Sie schätzen an sich höher eins: l) den Charakter, den Willen, die Beharrlichkeit, 2) den Intellekt, die Einbildungskraft, die Fähigkeiten.

8.1)Den Verstand schätzen Sie höher als die Gefühle. Sie haben eine objektive Meinung über Menschen, unabhängig von den Sympathien ihnen gegenüber. Sie bemühen sich, die Themen des persönliches Leben nicht zu diskutieren- sowohl des Eigenen als auch des Fremden, 2) Die Gefühle spielen in Ihrem Leben eine wesentliche Rolle, für Sie ist die emotionale Welt des  Menschen wichtiger, Sie schätzen höher das Verhältnis des Menschen gegenüber Ihnen und Ihr Verhältnis gegenüber den Menschen als die objektive Angaben darüber.

9. l) Sie haben es nicht gern, die Arbeit unterwegs zu Unterbrecher, 2) Sie können sich an zu viele verschiedene Arbeiten gleichzeitig machen und führen. Sie mit Mühe und Not bis zum Ende.

10. Die beiden Einstellungen sind nicht ganz richtig, doch welche von ihnen steht Ihnen seit Ihrer Kindheit Ihrer geistigen Verfassung näher:  l) Alle Menschen sind gut, alle lieben einander. 2) Man muss sich gegenüber den Menschen vorsichtig einstellen und man kann ihnen erst dann vertrauen, wenn man sie gut kennt.

11. Im Brennpunkt des Interesses einer größeren Gesellschaft: l) fühlen Sie sich leicht und ungezwungen, 2) können Sie nur eine bestimmte Zeit verbleiben und dann wollen sie bescheiden in den Schatten treten.

12. Welches Wort entspricht mehr Ihrer Geistesbeschaffenheit: 1) Abgeschlossenheit, 2) Skizze.

13. Es fällt Ihnen schwerer  Fehler durchzumachen und zu korrigieren, l) im Bereich der Beziehungen zu den Menschen, 2) in. der Arbeit, beim Umgang mit technischen Geräten, mit Dokumenten.

14. Wenn Sie an einem arbeitsfreien Tag morgens gefragt werden, was Sie an. diesem Tag zu machen beabsichtigen:  l) so antworten Sie recht genau, 2) so werden Sie das Doppelte des Möglichen aufzählen oder Sie werden sich das erstmals überlegen.

15. Wenn Sie an die Zukunft denken, so lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit in erster Linie:   l) auf angenehme, verlockende Perspektiven und Möglichkeiten, 2) auf die Gefahren, denen Sie ausweichen müssen.

 

Tabelle l.

Improvisation. Entbundenheit von den Pflichten Handlungen je nach Situation. Schmiegsamer Wille. Realität und nicht Dogmen. Arbeit nach Inspiration. Nachforschung. Chance ausnutzen. Sich anpassen an die sich verändernde Welt. Situation, und Tendenzen aufspüren. Impulsive Handlungen, Emotionen, Entscheidungen. Vergnügen an Vorhaben Abstraktion. Theorie, interessante Aufgaben. Das Wesentliche, den Sinn der Sache, Perspektiven verstehen. In Kleinigkeiten nachgeben. Alle Welt liegt in der Zukunft Eifer bei Entdeckungen. Begeisterung für Menschen u. Vorhaben Flammende Ideen, Vorhaben und Theorien DON
Interessante begabte Menschen. Umgang HEK
Intuition, Sittlichkeit. Selbsterkenntnis. Zeit und Geschichte. Skept. Voraussicht. Profi. BAL
Emotionale Vorahnung. Das Poetische JSN
Konkrete Praxis, nützliche Vorhaben, Interessen, Kräfteverhältnis verstehen, das Seine erreichen Mein Haus ist heute. Wille, Überwindung der Schwierigkeiten. Kraft und Schönheit. Wer will, erreicht. Kampflogik KOR
Energie, Einfluss auf Menschen, Gefühle LEO
Empfinden des Moments. Ästhetik Lebensbedingungen. "Goldene" Hände. Unabhängigkeit GBN
Empfindungen, Natur, Emotionen, guter Umgang. DUM
Planmäßiges Voranschreiten. Vorbereitungen im voraus. Systematische Arbeit. Nichts verschieben lassen. Alles bis zum Ende führen. Etwas leisten und das Ergebnis bewundern. Standhaftigkeit der Meinungen. Richtiges Handeln, richtige Emotionen und Entscheidungen. Vergnügen an abgeschlossenen Handlungen. Vernunft, kalte Analyse. Logik, objektives Herangehen. Nüchterne Denkweise. Unvoreingenommenheit. Zurückhaltung. Richtige Handlungen. Logik des Verhaltens. Mein Recht. Ich mache alles schnell, effektiv, mit Nutzen. LON
Gewissenhaft, sicher, hochqualitativ. TIR
Ruhiges Denken. Logik der Beziehungen. Meine Laune. Gleichheit, Gerechtigkeit. System des Wissens. ROB
Logik des Systems. Willensmäßige Einführung. MAX
Gefühle. Mitleid mit Menschen. Emotionen. Sympathien und Antipathien. Liebe und Hass. Nichtgleichgültigkeit, Herzlichkeit gegenüber den Verwandten. Emotionale Offenheit. Ausbruch der Liebe, des Zornes. Freude, Emotionen, Feier, gute Stimmung. VIC
Dramatik, Tragödie, Mitleid mit Menschen. HAL
Gemeine Gefühlswelt. Das Gute, das Böse. Zuneigung, Missbilligung. Glaube, Hoffnung, Liebe. Hingabe an Verwandte. DOS
Ablehnung des Börsen, Wille zur moralische Sauberkeit. TED

 

Werten Sie die überwiegenden Antworten in jeder Spalte Ihrer Tabelle aus. Wenn es in der ersten Spalte mehr Einsen gibt, so schreiben Sie darunter den lateinischen Buchstaben "E" ein, und wenn die Zweien überwiegen, so schreiben Sie den Buchstaben "Í" ein. Das ist die Skala Extraversion - Introversion. Unter die zweite Spalte schreiben Sie dementsprechend die Buchstaben "S" bzw. "N" ein. Das ist die Skala Sensorik (Sensation) - Intuition. In der dritten Spalte sind "T" Logik (Thinking) bzw. "F" Ethik (Empfindung - Feeling) anzugeben. Die vierte Spalte heißt "J" Rationalität (Urteil - Judjing) bzw. "P" Irrationalität (Wahrnehmung - Peroeiving). So werden die vier Buchstaben zusammengestellt, mit deren Hilfe man Ihren anzunehmenden Typ im Westen, insbesondere in den USA. zu bezeichnen pflegt. Die fünfte Spalte enthält noch eine Prüfmarke in Form einer zusätzlichen Skala: positiv ("+") und negativ ("-"). Die positiven Typen sind ihrem Wesen nach leichtgläubiger bzw. zutraulicher, sie erwarten von den Menschen etwas Gutes bzw. von dem Leben etwas Angenehmes und Schönes. Die negativen Typen sind wachsamer und meinen, es werde alles gut gehen, allerdings nur, wenn man alle Gefahren voraussieht.. Die Kennwerte der Spalten sind in der Abbildung unten angeführt.

—-——l——-—1——.——1————l———

E/I                S/N            T/F              J/P              +/-

Vergleichen Sie die Ergebnis» damit, was für den von Ihnen gewählten Typ in den Spalten "Code in den USA" und  "+/-" angeführt worden. ist (s. Tabelle 2).Wenn es keine Übereinstimmungen geben sollte, überlegen Sie sich, wo Sie einen Fehler zugelassen haben, oder wenden Sie 'sich an uns (252006, Kiew, Predslawinskaja Str. 29-14, INSO). Legen Sie dabei Ihr Foto, die Antworten auf die beiden Tests bei und berichten Sie ein wenig über sich selbst, und zwar unbedingt eigenhändig (Handschrift und ihre Eigenart). Es soll ein kleinerer schöpferischer Aufsatz: zum Thema sein, das Sie momentan bewegt. Nachdem Sie den Menschentyp gewählt haben, finden und lesen Sie die kurzgefasste diagnostische Charakteristik (Anlage A). Diese Charakteristiken werden in der gleichen Reihenfolge angeführt wie die Typen in der Tabelle.

 

 

Tabelle 2

Type
Code
Deckname des Typs Volle Bezeichnung des Typs USA-
Code
+
-
Typenformel
DON Don Quichotte Intuitiv-logischer Extravert Al'P + NtSf/sFnT
DUM Dumas Sensorisch-ethischer Introvert ISFP - sFnT/NtSf
VIG Victor Hugo Ethisch-sensorischer Extravert ESPJ + FsTn/tNfS
ROB Robespierre Logisch-intuitiver Introvert INTJ - tNfS/FsTn
MAX Maxim Gorki Logisch-sensorischer Introvert ISTJ + tSfN/FnTs
HAL Hamlet Ethisch-intuitiver Extravert ENFJ - FnTs/tSfN
KOR Shukow (Kommandeur) Sensorisch-logischer Extravert ESTP - StNf/nFsT
JSN Jessenin Intuitiv-ethischer Introvert INFP + nFsT/StNf
LON Jack London Logisch-intuitiver Extravert ENTJ + TnFs/fStN
TED Th. Dreiser Ethisch-sensorischer Introvert ISFJ - fStN/TnFs
LEO Napoleon Sensorisch-ethischer   Extravert ESFS + SfNt/nTsF
BAL Balzac Intuitiv-logischer Introvert INTP - nTsF/SfNt
TIR Stierlitz Logisch-sensorischer Extravert ESTJ - TsFn/fNtS
DOS Dostojewski Ethisch-intuitiver Introvert ISFJ + fNtS/TsFn
HUX Huxley Intuitiv-ethischer Extravert ENFP - NfSt/sTnF
GEN Gabin Sensorisch-logischer Introvert ISTP + sTnF/NfSt

1)Eine Gestalt des sowjetischen Kundschafters in den Jahren des  2.Weltkrieges  aus dem Roman und dem Fernsehfilm             " 17Augenblick des Frühlings".

 

 

 

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